Swissness at its best. Oder wenn Neid und Unverhältnismässigkeit ad Absurdum geführt werden.

Im Mai dieses Jahres hat Urs Mannhart sein neuestes Werk veröffentlicht; ein Roman, der sowohl inhaltlich wie sprachlich überzeugt. Ein bedeutendes Werk, vermag man die Details zu sehen, und wäre da nicht der Plagiatsvorwurf eines Journalisten, der genau das Gegenteil tut.

Nachdem Urs Mannhart mit der Veröffentlichung des Romans „Die Anomalie des geomagnetischen Feldes südöstlich von Domodossola gezeigt hat, wie er sprachlich brilliert, vereint der in Langenthal und Moutier lebende Schriftsteller mitBergsteigen im Flachland verbale Begabung mit Engagement für Gerechtigkeit, Interesse für Details und sozipolitischer Weitsicht. Ein zeitkritisches Meisterwerk, das weitaus mehr Beachtung verdient, als es dies bisher erhalten hat. Grund für diese Abweichung ist eine Klage des „Berufskollegen“ Thomas Brunnsteiner, ein in Lappland lebender Österreicher, der sich dank seiner Arbeit für die NZZ offenbar mehr Swissness angeeignet hat, als dies wünschenswert wäre. Oder aber, er hat durch Beziehungen zur NZZ mehr Gewicht in der von paternalistischen Beziehungen geprägten Landschaft Helvetiens, als ein der breiten Masse weniger zugänglicher Velofahrer.

Dass die Richter in Zürich zwischen „Plagiat“ und „Verarbeitung von öffentlichem Wissen“ nicht zu unterscheiden wissen, wirkt in einer Zeit, in welcher Eigentum per Mausklick geklaut wird, geradezu absurd. Oder vielmehr, sie bestätigen, was der offenen Leserin in Mannharts neuestem Werk vor Auge geführt wird, nämlich dass „Kleine“ oft die Zeche für „grösseres“ bezahlen. Aus dieser Perspektive lässt sich denn auch verstehen, wie ein solcher Entscheid in der Schweiz, die sich so schwer tut, reales geistiges Eigentum zu schützen, überhaupt möglich ist. Offenbar geht es nicht um Inhalt als vielmehr darum, ein Exempel zu statuieren. So wird am Alpenrand gerne unverhältnismässig hart gegen „Schutzlose“ vorgegangen, um der Welt vorzutäuschen, man hätte den Blick über die Alpen hinaus und den Anschluss an die Modernität (bewahrt).

Wissen und Kultur zeichnen sich jedoch gerade dadurch aus, dass sie historisch gewachsen sind und stets weiterwachsen. Keine Erfindung hat jemals in Isolation stattgefunden. Wissenschaft baut immer auf Bestehendem auf, und müsste jede Wissenschaftlerin immer wieder von vorne anfangen, wären wir noch heute am Verarbeiten von einfachen Additionsrechnungen statt uns über Quantenphysik zu unterhalten. In der Kunst ist es nicht viel anders, aber mit Kunsthistorik tut man sich vermutlich im Richterkabinett der Zwingli-Stadt sowieso schwer, was Anbtracht der mittelalterlichen Lehrpläne nicht erstaunen sollte. So wird es denn wohl unmöglich, beispielweise den Bezug zwischen Symbolismus des späten 19. Jahrhunderts, den Werken Edward Munchs und Deutschem Expressionismus im 20. Jahrhunderts zu erstellen, wenn man geistig wie auch didaktisch noch immer bei Wilhelm Tell am Morgarten verweilt[1].

Frau bleibt die Frage ob es sich im vorliegenden Fall nicht vielmehr um Neid Brunnsteiners auf den Erfolg des um ein Jahr jüngeren Schreiber-Kollegen als tatsächlich um die Sache geht. Oder aber Herr Brunnsteiner sieht sich durch eine der Figuren in Mannharts Buch auch etwas in seinem Schicksal bestohlen, kann frau sich doch gut vorstellen, dass eine Umschulung zum Ingenieur in Lappland (finanziell) wohl nicht kompensiert, was ausgebliebener Schriftstellererfolg nicht gebracht hat.
Klar ist, dass es im vorliegenden Fall keine Gewinner geben wird. Dies ist jedoch gerade auch darauf zurück zu führen, dass fehlende Objektivität, Trägheit und institutionelle Innovationsvernichtung Teil der helvetischen Identität sind. Anstelle Neues zu rühmen, wird es unter Altem vergraben. So interpretiert man Geschichte in der Schweiz.

Frau kann sich bloss wünschen, dass diese Angelegenheit bald geregelt wird und zwar zu Gunsten von Kunst und schaffender Freiheit. Andernfalls sollte keine Schweizerin jemals wieder über Menschenrechtsverletzungen in China palavern.

 

[1] Kleines Detail: diese Information habe ich in weniger als einer Minute aus dem Internet gewonnen – oder geklaut, je nach Perspektive!

 

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About blaubear

Born in 1973 in a small village in rural Switzerland and into a society largely dominated by cows (not only was the human population of one-hundred-and-forty outnumbered by them, but politics driven by unreasonable subsidies for diary products) I was connected with nature from early age on. Observing nature on one hand and the deficiencies of a dysfunctional Swiss agricultural policy with farmers that had lost connection to the land that provided their income on the other, I soon started to question society and the meaning of life. Suffering also under a farcical public education I developed curiosity to discover on my own. That was how I soon learned that little of what I had been taught was true. Skepticism and interaction with people from for me new cultures fostered my interest for the world and eagerness to leave a life shaped by federalistic layman-ship. At the age of twenty-three I hit the road for the first time, an event that later translated into passion. Traveling between cultures has since become part of my life. At the age of thirty-three I finally realized my dream and did a degree in Environmental Engineering from which I graduated in 2009, only to leave Switzerland once more for my "real home" Spain. Unfortunately, the stay was a short one: a couple of months later I was offered a job in Southeast Asia, where I worked and also lived (with some interruptions, e.g. I live in Melbourne since late 2012) ever since. Having worked for a Japanese company earlier in my life, I soon felt captured again by Asian culture and thinking which makes a lovely contrast to my European heritage. My journey through different countries and cultures has taught me that regardless of how different our thinking and values are, no matter what approaches we take, we all can learn from each other. And if we are open enough to see the common instead of pointing out the differences, then we have a chance to live in harmony and peace: Life is all about integration, not exclusion! It's an old wisdom that "knowledge is power", as such I never get tired of being around new people, having interesting talks, and reading lots of good books. I hope that my blog can contribute to the conversation.
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